Wie läuft eine ADHS-Diagnose ab?
Du hast den Verdacht, dass dein Kind ADHS haben könnte. Oder jemand hat ihn geäußert — die Lehrerin, der Kinderarzt, vielleicht du selbst. Und jetzt fragst du dich: Was passiert als nächstes? Wie läuft das eigentlich ab? Was wird untersucht — und wer macht das überhaupt?
Dieser Artikel erklärt den Diagnoseprozess Schritt für Schritt — damit du weißt, was auf dich zukommt.
Wer stellt eine ADHS-Diagnose?
Eine offizielle ADHS-Diagnose darf in Deutschland nur von bestimmten Fachleuten gestellt werden: in der Regel von einem Kinder- und Jugendpsychiater oder einem spezialisierten Kinder- und Jugendarzt. Auch Kinder- und Jugendpsychotherapeuten können an der Diagnostik beteiligt sein, die eigentliche Diagnose stellen jedoch Ärzte. Eine gründliche Abklärung durch spezialisierte Fachkräfte ist unbedingt notwendig — weil ADHS leicht mit anderen Störungen verwechselt werden kann.
Schritt 1: Die Anmeldung und die lange Wartezeit
Der erste Schritt ist oft der frustrierendste: die Suche nach einem Termin. In Deutschland beträgt die Wartezeit auf einen Diagnosetermin beim Kinder- und Jugendpsychiater im Schnitt 6 bis 12 Monate, in manchen Regionen sogar bis zu 18 Monate. Der Grund: Es gibt schlicht zu wenig spezialisierte Fachkräfte für die Nachfrage.
Schritt 2: Das ausführliche Erstgespräch
Beim ersten Termin steht ein ausführliches Gespräch im Mittelpunkt — mit den Eltern, oft auch mit dem Kind. Der Arzt erfragt die gesamte Entwicklungsgeschichte: Schwangerschaft, Geburt, frühe Kindheit, Kindergarten, Schule. Wie war das Kind als Kleinkind? Wann tauchten die ersten Auffälligkeiten auf? In welchen Situationen zeigen sie sich? Wie ist die Situation zu Hause, in der Schule, im Freundeskreis? Dieses Gespräch ist die Grundlage für alles Weitere — und dauert deshalb oft deutlich länger als ein normaler Arzttermin.
Schritt 3: Fragebögen für Eltern und Lehrer
Ein zentrales Instrument der ADHS-Diagnostik sind standardisierte Fragebögen — ausgefüllt von Eltern, Lehrern und ab einem bestimmten Alter auch vom Kind selbst. Häufig eingesetzte Instrumente sind die Conners Rating Scales und der DISYPS-Fragebogen — beides wissenschaftlich validierte Verfahren. Weil ADHS-Symptome in verschiedenen Umgebungen auftreten müssen, ist die Sicht mehrerer Bezugspersonen entscheidend.
Schritt 4: Psychologische Tests und Beobachtung
Neben den Fragebögen kommen neuropsychologische Tests zum Einsatz. Diese überprüfen: Wie lange kann das Kind aufmerksam bleiben? Wie gut kann es Impulse hemmen? Wie arbeitet das Arbeitsgedächtnis? Ein bekanntes Instrument ist das ADHS-KJ (ADHS-Diagnostikum für Kinder und Jugendliche), das exekutive Funktionen, Aufmerksamkeit und Informationsverarbeitung systematisch misst. Zusätzlich wird das Kind direkt beobachtet.
Schritt 5: Ausschluss anderer Ursachen
Bevor die Diagnose gestellt wird, müssen andere Erklärungen ausgeschlossen werden — die sogenannte Differentialdiagnose. Schlafstörungen, Angststörungen, Lese-Rechtschreib-Schwäche oder familiäre Belastungen können ähnliche Symptome erzeugen wie ADHS. Bei rund 60 % der Fälle liegen zusätzliche Diagnosen neben der ADHS vor (Quelle: adhs.info).
Die Diagnosekriterien: Was muss erfüllt sein?
Eine ADHS-Diagnose wird nach dem internationalen Klassifikationssystem ICD-11 (Code: 6A05) gestellt. Bedingungen:
- Symptome bestehen seit mindestens 6 Monaten
- Sie zeigen sich in mehr als einer Lebenssituation (Schule und zu Hause)
- Sie führen zu einer erheblichen Beeinträchtigung im Alltag
- Sie lassen sich nicht durch eine andere Störung erklären
Und nach der Diagnose?
Eine Diagnose allein verändert den Alltag nicht. Sie ist ein erster Schritt — aber kein Allheilmittel. Danach geht es darum, gemeinsam einen Weg zu finden: Was braucht dieses Kind? Was braucht die Familie? Welche Unterstützung macht wirklich Sinn?
Du musst nicht warten
Für mein Coaching und meine Beratung brauchst du keine Diagnose. Wenn der Verdacht besteht, können wir sofort beginnen — mit dem, was euch im Alltag gerade am meisten belastet.
Bei Verdacht leite ich euch außerdem gerne weiter oder schlage passende Anlaufstellen vor — damit ihr nicht alleine suchen müsst. Wenn ihr einfach wissen möchtet, wie ein Diagnoseprozess generell abläuft, welche Schritte auf euch zukommen und wo ihr anfangen könnt: Genau das können wir gemeinsam in einem Einzelgespräch durchgehen. Unkompliziert, informativ und ganz ohne Verpflichtung.